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Binge-Watching: glücklich statt krank

Autorin: Anna-Lena Nitzsche

 

Sind Sie noch da? Vor Netflix stellte uns diese Frage maximal der Chef im Meeting. Doch mit der steigenden Anzahl der Streaming-Dienste wächst aktuell auch die Anzahl der „Binge-Watcher“. Wovor Forscher warnen, was viele Experten außer Acht lassen und wie hemmungsloses Serien-gucken glücklich statt krank macht, erfahren Sie hier

 

Was ist Binge-Watching?

 

Binge bedeutet so viel wie verschlingen oder unkontrolliert verzehren. Bevor Streaming-Dienste unsere Mattscheiben eroberten, kam dieses Wort am häufigsten in Zusammenhang mit einer Essstörung vor, dem Binge-Eating – das ungehemmte Vollstopfen mit ungesunden Lebensmitteln, weit über den Sättigungsgrad hinaus. Binge-Eater sind häufig zusätzlich Depressiv und oder Fettleibig. Aber muss Bingen immer ungesund sein?


Also: Machen Serienmarathons uns genau so krank wie zwanghaftes Essen? Auf den ersten Blick scheint es so, denn bereits 2010 stellte eine Studie unter dem Titel „ Social Relationships and Mortality Risk: A Meta-analytic Review“ den Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Fettleibigkeit her. Eine anderen Studie, veröffentlicht von der American Public Health Acossiation im letzen Jahr, sieht sogar eine ganz konkrete Verbindung zwischen Binge-Watching und dem Entstehen von Depressionen.  

 

Bingen ist nicht das Problem

 

Doch bereits der Arzt Paracelsus (14. Jhd. n. Chr.) wusste: „Sola dosis facit venenum“ – die Dosis macht das Gift. Wer also jeden Tag mindestens 6 Stunden, isoliert von der Außenwelt, lethargisch abhängt und ansonsten nichts gebacken kriegt, läuft Gefahr einsam, depressiv und dick zu werden. Das einsame Binge-Watching ist aber wohl eher ein Symptom, als die Ursache dieses Leids. Laut Forschungsergebnissen des National Institues of Health bricht uns die Einsamkeit das Herz, nicht Netflix.


 

Purge-Watching ist das Problem

 

Im Gegenteil zur allgemeinen Dämonisierung des Binch-Watchings, sprechen einige Medienpsychologen und – wissenschaftler, im Gespräch mit Julia Wadhawan, dem intensiven schauen von Serien sogar positive persönliche und gesellschaftliche Aspekte zu. Der Austausch, das gemeinsame Verschlingen der Lieblings Serien und das Darüber-Reden schaffen Verbundenheit und soziale Rituale, die es sonst in unserem Kulturkreis immer weniger gibt – so die Forscher. Als soziales Wesen benötigt der Mensch aber soziale Rituale, um sich nicht einsam zu fühlen oder gar an Depressionen zu erkranken.


Die eigentliche Gefahr lauert im Purge-Watching. „Purge“ ist das genaue Gegenteil von binge und bedeutet so viel wie entleeren oder sich übergeben. Ein Symptom für ungesunde Mediennutzung, also eine Gefahr für Seele und Körper ist, den Wissenschaftlern zu Folge, eher das Starren in die Flimmerkiste, trotz Überdruss oder Desinteresse – eben das sogenannte Purge-Watching.

 

„Die Couchpotato ist aufgewacht“

 

Der Kulturanthropologe Grant McCracken geht sogar noch weiter und spricht von einem positiv veränderten Medienkonsum, weg vom passiven Berieseln, hin zur aktiven Auswahl von Inhalten. Auch die hauseigene Netflix-Studiea unterstützt diese Annahme. Sie zeigt, dass die Mehrheit der User 2 bis 6 Folgen einer Serie am Stücke sehen, bei einer Dauer von 20 bis 60 Minuten pro Episode.


120 Minuten gemeinsames Binge-Watching macht also eher glücklich, als krank. Die gerade veröffentlichte Netflix-Binge-Skala spricht ebenfalls für McCrackens Ansatz: Im Durchschnitt sahen Zuschauer pro Tag 2 Stunden und 10 Minuten der ersten Staffel ihrer Lieblings Serie. Das ordnet Netflix bereits dem „Verschlingen“ von Serien zu – und die müssen es ja wissen.


KabelDirekt - Binge-Watching

 

So wird Bingen noch schöner

 

Keine Folge verpassen und sofort weiter gucken, wo Sie stehen geblieben sind: Auf der Do-it-yourself (DIY) Plattform des Amerikanischen Streamanbieters stehen dem Nutzer eigene Bastelanleitungen zur Verfügung, um den Binge-Genuss noch zu steigern. Etwa die Netflix-Socken. Die Technik ähnelt der eines Aktivitätstrackers. Die Fußwärmer nehmen wahr, wenn Sie beim Gucken eingeschlafen. Der Stream wird dann über ein Signal aus den Socken angehalten. Die Konstruktion ist allerdings nicht für den Standard DIY-Typ geeignet. Da sollten Sie vorher schon ein paar Technik-Dokus gestreamt haben.


Dabei und beim Binge-Watching wünscht das KabelDirekt-Team weiter viel Spaß!