Schluss mit Verstecken

Schluss mit Verstecken

 

Die Wahrscheinlichkeit, einen USB-Anschluss falschherum in die Buchse zu stecken, liegt bekanntlich bei etwa 101 Prozent – mehr als nervig, das sehen jetzt sogar die USB-Entwickler ein. Deren neuer Star am Stecker-Himmel heißt „USB C“ und sorgt für beides, Freude und Verwirrung
 

Autorin: Anna-Lena Nitzsche
 

 

C-er Kerl

 

Für die Usability dürfte der Typ-C-Stecker den meisten Applaus ernten, denn er passt von beiden Seiten in die Buchse – 27 Jahre lang. Woher wir das wissen? Der Neue ist auf wenigstens 10.000 Steck-Vorgänge ausgelegt. Wer also jeden Tag sein Handy und andere Devices damit lädt, kann sich auf schnelles Laden bei langfristigem Ladespaß freuen, heißt es aus dem USB-Implementers Forum (USB-IF). Dank der Abmessung von flachen 8,4 x 2,6 mm eignet sich die USB C-Buchse außerdem sowohl für den Einbau in stationäre, als auch mobile Endgeräte, wie Smartphone oder Laptop.

 

 

Hohes C

 

Was Ihnen im Zusammenhang mit der neuesten USB-Entwicklung begegnen wird: ein Wirrwarr an Bezeichnungen. „USB C“, „USB 3.1“, „USB 3.1 Gen 1“, „USB 3.1 Gen 2“, etc. Damit Sie den Stecker in die Buchse und nicht den Kopf in den Sand stecken, hier das Wichtigste zusammengefasst:

Das Datenübertragungsprotokoll des USB C hört auf den Namen USB 3.1 und ist in der zweiten Generation (USB 3.1. Gen2) auf eine Geschwindigkeit von bis zu 10 Gigabit/s ausgelegt, etwa 20-mal schneller als der 2.0 Standard.

Wie so oft steckt auch hier der Teufel im Detail, denn die Betonung liegt auf „bis zu“. Das USB-IF überlässt es nämlichen den Herstellern, ob der notwendige Controller eingebaut wird. Ohne den stehen Sie jedoch weiter auf der Datenautobahn im Stau – nur eben mit einem Ferrari. Halten Sie beim Kauf also Ausschau nach einem USB-C-Stecker mit dem Logo für Superspeed „SS“ und zusätzlich einer kleinen 10 am Rand. Nur so haben Sie Chancen auf wilde Datenraserei.

 

 

c-lever laden

 

C-lever Laden

 

Schnell ist nicht nur für Datentransfer-Raser ein angenehmes Tempo. Auch wenn der Akku leer und eine Steckdose weit entfernt ist, soll USB 3.1 Gen2 zur Hilfe eilen. Mit dem USB-C-Stecker und dem 3.1 Gen 2 Protokoll wird es möglich sein, den Smartphone-Akku über ein zweites Device mit USB-C-Buchse aufzuladen. Und dank einer Leistungsaufnahme von bis zu 100 Watt kann der Held des USB-IFs auch Notebooks und Co lässig laden. Allerdings nur wenn er mit der Bezeichnung „USB Power Distribution“ und natürlich der entsprechenden Funktion ausgestattet ist.

Alles, was Sie dann benötigen ist ein Freund der gerne teilt und den neuen USB-Standard. Eins von beiden fehlt? Dann sind Sie wohl kein Apple-Jünger. Im aktuellen MacBook ist die Buchse nämlich bereits verbaut.

 

 

Copy-Cat

 

Apropos Mac Book: Dank USB-AV-Standard können Sie mit dem neuen USB C, wie bei einem Displayport 1.3, etwa 4K-Inhalte streamen und gleichzeitig Ihre energiehungrigen Geräte laden. Das ist allerdings nicht so neu wie es klingt. Der Intel „Thunderbolt 3“ Standard kann darüber nur müde lächeln und gleichzeitig mit wesentlich schnelleren 40 Gibt/s auftrumpfen. Schon der Vorgänger Thunderbolt 2 bringt es übrigens auf 20 Gbit/s.
Da dürfte USB C das Überholen schwerfallen. Vor allem, weil es fraglich ist, ob und wie schnell der USB C mit 3.1 Gen 2 Protokoll wirklich zum Standard für alle gängigen Geräte wird. Außerdem zwingt die hohe Leistungsfähigkeit Produzenten indirekt dazu, wegen der hohen Leistungsfähigkeit, auf hochwertige Kabel und Steckverbindungen zu setzen. Nur so kann die Leistung auch problemfrei umgesetzt werden. Und das schmeckt nicht allen Herstellern.

 

thunderbolt 3 USB-C does it all

 

 

Fazit ohne C?

 

Der USB C Anschluss wird auf kurz oder lang auf jeden Fall die älteren Standards ablösen, so viel ist sicher. Wichtiger denn je wird es für den Konsumenten dabei auf hohe Qualität der Kabel zu setzen, um sich den Spaß an der neuen Technologie nicht selbst zu verderben. Ob der Stecker Typ C mit 3.1 Standard zum gängigen Ladekabel avanciert ist unklar. Im März 2014 verabschiedete das Europäische Parlament jedenfalls einen Gesetzesentwurf, nach dem Mobile Devices ab 2017 ein einheitliches Ladekabel besitzen sollen. Falls Sie also nicht vorhaben ab nächstem Jahr als Aussteiger Ihr Leben fernab der Zivilisation zu fristen, werden wir uns gemeinsam überraschen lassen.